Fit für die Schule:
Wie Du Dein Vorschulkind gezielt unterstützen kannst
Lesezeit: 6 Minuten
Liebe Mama und lieber Papa,
die Vorschulzeit ist für viele Familien eine besondere Phase. Da ist Vorfreude auf das neue Kapitel, aber auch Unsicherheit: „Ist mein Kind wirklich bereit?“ Oft zeigen sich genau jetzt Herausforderungen, die Eltern stutzig machen: Unruhe, emotionale Ausbrüche, Konzentrationsprobleme, ständiger Bewegungsdrang oder Trennungsängste.
Vielleicht kennst Du das. Vielleicht hast Du das Gefühl, Dein Kind ist klug, kreativ und trotzdem wirkt manches „nicht altersentsprechend“.
Was viele nicht wissen: Manchmal haben diese Themen tiefere Wurzeln. Genauer gesagt: frühkindliche Reflexe, die noch aktiv sind.
Was sind frühkindliche Reflexe eigentlich?
Frühkindliche Reflexe sind automatische Bewegungsmuster, mit denen wir zur Welt kommen. Sie helfen uns, erste Erfahrungen zu machen, das Nervensystem zu entwickeln und überhaupt in dieser Welt „anzukommen“.
Beispiele sind:
- Suchreflex (Rooting Reflex): Das Baby wendet den Kopf zur Reizquelle.
- Saugreflex: Wichtig für die Nahrungsaufnahme – aber auch für Sprach- und Mundmotorik.
- Moro-Reflex: Eine Reaktion auf plötzliche Reize – der „Schreckreflex“.
- Tonischer Labyrinthreflex (TLR): Beeinflusst Haltung, Gleichgewicht und Körperspannung.
- Asymmetrisch-tonischer Nackenreflex (ATNR): Unterstützt die Entwicklung von Greifen und Koordination.
- Spinaler Galantreflex: Wichtig für das Krabbeln – bei Aktivität kann er das Sitzen stören.
- Landau- und STNR-Reflexe: Beteiligt an Aufrichtung, Bewegung und Übergang zu aufrechtem Gang.
Diese Reflexe sollten sich in den ersten Lebensmonaten bis -jahren integrieren – also vom automatischen Muster in eine bewusste Bewegungsfähigkeit übergehen.
Was passiert, wenn ein Reflex aktiv bleibt?
Stell Dir vor, Dein Kind müsste bei jedem plötzlichen Geräusch zusammenzucken ohne es bewusst zu steuern. Oder es könnte sich beim Sitzen kaum ruhig halten, weil sein Körper ständig auf Bewegungsimpulse reagiert.
Solche Reste aktiver Reflexe können sich zeigen durch:
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Ungeschicklichkeit, Koordinationsprobleme
- Wutausbrüche oder emotionale Überreaktionen
- Innere oder körperliche Unruhe
- Schwatzhaftigkeit
- Schwierigkeiten beim Schreiben, Malen, Still-Sitzen
- Schlafprobleme oder Ängste
➡️Vielleicht hast Du auch beobachtet, dass Dein Kind beim Schwimmenlernen ungewöhnlich große Schwierigkeiten hat, die Bewegungen zu koordinieren, oder den Kopf über Wasser zu halten? Es kann vielleicht besser tauchen als schwimmen?
➡️Vielleicht will das Radfahren einfach nicht klappen, obwohl Dein Kind sich Mühe gibt?
➡️Vielleicht hat Dein Kind Schwierigkeiten beim Klettern und kann besser rauf als runter klettern?
➡️Vielleicht verliert Dein Kind auch schnell die Orientierung, oder es leidet unter Reiseübelkeit?
➡️Beim Ballspielen kommt es nicht mit oder es zieht sich im Turnen frustriert zurück?
Auch das kann alles mit noch aktiven Reflexen zusammenhängen, denn:
Viele dieser frühen Bewegungsmuster beeinflussen bis heute das Gleichgewicht, die Körperspannung, die Grob- und Feinmotorik sowie die emotionale Reizverarbeitung.
Wie Du als Elternteil unterstützen kannst
Du musst keine Diagnosen stellen, aber Du darfst hinschauen, Fragen stellen und sanft begleiten.
Hier sind erste Schritte:
- Beobachte neugierig statt zu bewerten. Wenn Dein Kind z. B. beim Malen oder Schreiben oft den Kopf mitdreht , die Füße um die Stuhlbeine schlingt, oder häufig stolpert, könnte mehr dahinterstecken.
- Stärke rhythmische und überkreuzende Bewegungen. Tanzen, Krabbeln, Balancieren, Rollen – das Nervensystem liebt Wiederholungen und Muster.
- Schaffe Momente der Ruhe und Körperwahrnehmung. Kinder, deren Systeme im Alarmmodus sind, brauchen Sicherheit, Berührung und Struktur.
- Biete gezielte Bewegungsangebote. Eine psychomotorische Sportgruppe kann hier Wunder wirken: Sie fördert nicht nur die Motorik, sondern stärkt auch Selbstvertrauen, soziale Kompetenz und emotionale Stabilität ganz spielerisch.
Und wenn Du das Gefühl hast: „Da ist mehr …“
Dann kann es sinnvoll sein, genauer hinzuschauen. Im Rahmen meines Reflexintegrationstrainings nach dem RIT®-Konzept prüfe ich, ob und welche frühkindlichen Reflexe noch aktiv sind und wie sie gezielt integriert werden können. Das Training ist strukturiert, körperorientiert und auf den individuellen Entwicklungsstand des Kindes abgestimmt.
Je nach Bedarf kann die Begleitung auch im Rahmen der mobilen Frühförderung, der heilpädagogischen Einzelintegration oder durch eine psychomotorische Sportgruppe ergänzt werden. Ziel ist es, die neurologischen Grundlagen für Bewegung, Selbstregulation, Konzentration und emotionale Stabilität zu stärken.
Wenn Du unsicher bist, welcher Weg für Dein Kind passend sein könnte, kläre ich das gern gemeinsam mit Dir. Melde Dich dazu unverbindlich für ein kostenloses telefonisches Erstgespräch (ca. 30 Minuten).