Landau-Reflex beim Kind:

Warum Haltung, Koordination und Konzentration darunter leiden können 

Lesezeit: 7 Minuten

Liebe Mama und lieber Papa,

fragst Du Dich manchmal, warum Dein Kind nicht lange sitzen kann, schnell erschöpft wirkt oder beim Schwimmen große Mühe hat? Vielleicht bist Du Erzieherin oder Frühförderkraft und beobachtest, dass manche Kinder sich in Bauchlage schwertun, den Kopf zu heben oder ihre Körpermitte zu stabilisieren. Eine mögliche Ursache liegt oft ganz am Anfang der Bewegungsentwicklung: beim sogenannten Landau-Reflex. 
 
In diesem Artikel erfährst Du, was der Landau-Reflex ist, welche Rolle er für Haltung, Koordination und Konzentration spielt – und was Du tun kannst, wenn er nicht richtig integriert ist. 


Was ist der Landau-Reflex?

Der Landau-Reflex zählt zu den frühkindlichen Haltungsreflexen. Er beginnt sich etwa ab der vierten Lebenswoche zu zeigen. Wenn ein Baby auf dem Bauch liegt, hebt es zuerst den Kopf. Wenige Wochen später kommt das Anheben der Brust hinzu. Etwa ab dem vierten Lebensmonat streckt das Kind zusätzlich die Beine nach oben, sobald Kopf und Brust sich heben. 

 

Bis zum dritten Lebensjahr sollte der Landau-Reflex vollständig integriert sein. Ist das der Fall, bleibt der Körper entspannt: Wenn das Kind in Bauchlage den Kopf hebt, bleiben die Beine ruhig liegen. Alles ist in Balance. 



Welche Funktion hat der Landau-Reflex bei der kindlichen Entwicklung?

Der Landau-Reflex spielt eine zentrale Rolle bei der Kräftigung der Rücken- und Nackenmuskulatur. Diese Muskulatur ist essenziell, damit ein Kind sich aufrichten, stabil sitzen und später auch sicher gehen oder schwimmen lernen kann. 

 

Aber es geht um mehr als nur Muskelkraft: 

 

  • Durch das Heben von Kopf und Brust in Bauchlage werden die Arme frei – Dein Kind kann greifen, Gegenstände untersuchen und zum Mund führen. Das ist wichtig für die Entwicklung des Nahsehens.
  • Gleichzeitig lernt Dein Kind, die Welt dreidimensional zu erfassen – eine wichtige Voraussetzung für das Gleichgewicht und die visuelle Orientierung.
  • Die durch den Reflex angestoßene Wirbelsäulenstreckung bereitet den Körper auf das aufrechte Sitzen und Stehen vor.
  • Kinder, bei denen der Reflex gut integriert ist, zeigen meist eine gesunde Haltung, mehr Ausdauer und eine bessere Bewegungskoordination.



Anzeichen für einen nicht integrierten Landau-Reflex

Vielleicht erkennst Du Dich oder Dein Kind hier wieder: 

 

  • Dein Kind hat einen schwachen Muskeltonus, insbesondere im Nacken oder Rücken.
  • Es fällt schwer, Kopf und Brust in Bauchlage zu heben.
  • Die Haltung ist häufig eingesackt, das Sitzen kostet viel Kraft.
  • Die Beine wirken steif oder überstreckt, vor allem wenn der Kopf nach hinten geneigt wird.
  • Dein Kind bewegt sich insgesamt unkoordiniert, besonders bei Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren.

 

Ein nicht integrierter Landau-Reflex kann außerdem die Integration anderer Reflexe wie des tonischen Labyrinthreflexes (TLR) oder des spinalen Galantreflexes verhindern. In manchen Fällen ist sogar nächtliches Einnässen damit verbunden.

Wie Du auch andere nicht integrierte Reflexe bei Deinem Kind erkennen kannst, liest Du hier in einem anderen Artikel: „Wie Du nicht integrierte frühkindliche Reflexe bei Deinem Kind erkennst“


 

Landau-Reflex und Konzentration: Was hat das mit ADHS oder ADS zu tun?

Ein nicht integrierter Landau-Reflex kann sich auch auf das Verhalten und die Aufmerksamkeit auswirken – vor allem bei Kindern mit ADS oder ADHS. 

 

  • Wenn die Rückenmuskulatur nicht ausreichend aktiviert wird, fehlt die nötige Körperspannung für eine stabile Sitzhaltung. Das Sitzen wird anstrengend und das Kind wechselt ständig die Position.
  • Der Körper braucht so viel Energie, um überhaupt aufrecht zu bleiben, dass weniger Ressourcen für Konzentration und Ausdauer zur Verfügung stehen.
  • Zusätzlich kann die mangelnde Aktivierung des retikulären Aktivierungssystems dazu führen, dass Reize nicht effizient gefiltert und an den präfrontalen Cortex weitergeleitet werden – genau dort, wo Fokus, Aufmerksamkeit und Planung entstehen.

 

Diese Kinder wirken dann oft unruhig, unkonzentriert oder motorisch fahrig – nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil ihr Körper sie nicht ausreichend dabei unterstützt. 



Was kannst Du als Mama, Papa oder Fachkraft tun?

Wenn Du beobachtest, dass bei einem Kind Haltung, Ausdauer, Bewegungskoordination oder Konzentration auffällig sind, lohnt sich ein genauer Blick auf die frühkindlichen Reflexe. Ein nicht integrierter Landau-Reflex kann dabei eine zentrale Rolle spielen. 

 

Im Rahmen meines Reflexintegrationstrainings nach dem RIT®-Konzept prüfe ich, ob und welche frühkindlichen Reflexe noch aktiv sind und ob ein gezieltes Training sinnvoll sein kann. Die Förderung ist körperorientiert, individuell abgestimmt und alltagsnah aufgebaut – mit dem Ziel, stabile Grundlagen für Haltung, Bewegung und Aufmerksamkeit zu schaffen. 

 

Wenn Du unsicher bist, ob ein Reflexintegrationstraining für Dein Kind infrage kommt, kläre ich das gern gemeinsam mit Dir.  Melde Dich dazu unverbindlich für ein kostenloses telefonisches Erstgespräch (ca. 30 Minuten) oder informiere Dich weiter über die Reflexintegration auf meiner Website.