Frühkindliche Reflexe und Angst:
Moro-Reflex und Furcht-Lähmungs-Reflex
Lesezeit: 4-5 Minuten
Liebe Mama und lieber Papa,
vielleicht kennst Du das: Dein Kind erschrickt, verkrampft oder wirkt wie „eingefroren“ und Du kannst es Dir nicht erklären. Oder es reagiert völlig über, obwohl der Auslöser kaum erkennbar war. Dahinter können nicht integrierte frühkindliche Reflexe stecken. Besonders zwei davon beeinflussen nachhaltig, wie Dein Kind mit Stress, Reizen und Gefühlen umgeht: der Moro-Reflex und der Furcht-Lähmungs-Reflex (FLR).
Was du über den Furcht-Lähmungs-Reflex wissen solltest
Der Furcht-Lähmungs-Reflex ist einer der ersten Frühkindlichen Reflexe überhaupt. Er ist bereits ab der 6. Schwangerschaftswoche aktiv und sorgt dafür, dass der Körper bei plötzlich empfundener Gefahr in eine Schreckstarre verfällt. Der Atem wird eingezogen, die Muskeln spannen sich und Bewegung ist kaum noch möglich.
Normalerweise wird dieser Frühkindliche Reflex im ersten Lebensjahr vollständig integriert. Das bedeutet: Er entwickelt sich zurück, weil das Kind lernt, mit Gefühlen und Reizen eigenständig umzugehen. Dabei geht der FLR idealerweise in eine reifere Form über – die sogenannte Reife-Strauss-Reaktion, die im weiteren Verlauf die Grundlage für ein angemessenes Reagieren auf Schrecksituationen bildet.
Bleibt diese Entwicklung jedoch aus, kann der FLR als Dauerprogramm im Nervensystem gespeichert bleiben und immer wieder „anspringen“, auch wenn keine reale Gefahr besteht.
Warum der Moro-Reflex Dein Kind ständig in Alarm versetzen kann
Der Moro-Reflex entwickelt sich ab der 9. Schwangerschaftswoche und sollte bis zum Ende des 6. Lebensmonats integriert sein. Er löst im Schreckmoment die Starre des FLRs ab und wird ebenfalls durch plötzliche Lageveränderung, starke Sinnesreize, oder fehlendes Haltegefühl ausgelöst. Zunächst kommt es zum ruckartigen Ausbreiten der Arme, Öffnen der Hände, Rückwärtsneigung von Kopf und Rücken. Häufig wird die Erstreaktion von Schreien begleitet. Anschließend werden die Arme und Beine zur Körpermitte zusammengezogen und das Baby beginnt zu weinen.
Wird dieser Reflex nicht integriert, befindet sich das Nervensystem Deines Kindes dauerhaft in Alarmbereitschaft. Es reagiert überempfindlich auf Geräusche, Licht, Veränderungen, als würde ständig Gefahr drohen. Adrenalin und Cortisol werden schneller ausgeschüttet, was auf Dauer sogar die Lernfähigkeit und emotionale Regulation beeinträchtigen kann.
Woran Du nicht integrierte frühkindliche Reflexe erkennen kannst
Vielleicht hast Du bei Deinem Kind schon Dinge beobachtet, die Du Dir nicht erklären kannst, aber Dein Gefühl sagt Dir, da stimmt etwas nicht. Diese Anzeichen können auf einen noch aktiven FLR oder Moro-Reflex hinweisen:
Typische Hinweise beim Furcht-Lähmungs-Reflex (FLR):
- geringe Stresstoleranz
- Stressreaktionen bei Augenkontakt
- Gleichgewichtsprobleme
- Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen, Berührung, Geschmack oder Geruch
- Schwierigkeiten bei Lageveränderungen (z. B. Umziehen, Aufstehen)
- Reize können nicht gefiltert werden – „alles kommt gleichzeitig“
- Konzentrationsprobleme in Stressmomenten oder unruhiger, lauter Umgebung
- dauerhaft erhöhte Stresshormone → mögliche neuronale Belastung
Typische Hinweise beim Moro-Reflex:
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit
- Probleme, Hintergrundgeräusche auszublenden
- Überreaktion auf plötzliche Bewegungen oder Berührungen
- ständiger Wechsel zwischen Unruhe und Erschöpfung
- Angst vor Veränderungen
- stereotype Verhaltensmuster
- Schulangst (oft mit Bauch- oder Kopfschmerzen)
- Gleichgewichtsschwierigkeiten
- Schwierigkeiten mit Kritik umzugehen und niedriges Selbstwertgefühl
Weitere Hinweise auf nicht integrierte Frühkindliche Reflexe findest Du hier auf meiner Seite „Reflexintegration“.
Wenn Emotionen überschäumen: Das „Arme-Flattern“ als Ausdruck innerer Überforderung
Viele Eltern berichten mir, dass ihr Kind bei starken Gefühlen – sei es vor Freude, Wut oder Stress – plötzlich mit den Armen flattert. Diese unwillkürliche Bewegung ist nicht absichtlich, sondern ein Hinweis auf eine emotionale Überladung, die oft durch einen noch aktiven Furcht-Lähmungs- oder Moro-Reflex begründet wird.
In diesen Momenten ist das Nervensystem Deines Kindes überfordert. Gefühle „schwappen über“ und suchen sich einen Ausweg – sei es durch Bewegungsdrang oder durch völliges Erstarren. Häufig pendeln Kinder zwischen diesen Extremen und es fällt ihnen schwer, wieder zur Ruhe zu kommen.
Warum eine gute Reflexintegration so entscheidend ist
Diese beiden Urreflexe sind die Basis für ein stabiles Stress- und Selbstregulationssystem. Wenn sie gut integriert sind, kann Dein Kind besser mit Herausforderungen, Frustration, Veränderungen und sozialen Anforderungen umgehen.
Wenn sie jedoch noch aktiv sind, fühlt sich Dein Kind oft innerlich bedroht, selbst wenn Du äußerlich alles richtig machst. Es geht also nicht um Erziehung oder Haltung, sondern um eine reifeneurologische Grundlage, die Dein Kind bisher vielleicht aus unterschiedlichsten Gründen nicht entwickeln konnte.
Eine nachträgliche Integration dieser Frühkindlichen Reflexe ist durch das Reflexintegrationstraining zum Glück möglich!
Du möchtest herausfinden, ob Dein Kind noch von frühkindlichen Reflexen beeinflusst wird?
Dann lies gern den nächsten Beitrag:
„Wie Du nicht integrierte frühkindliche Reflexe bei Deinem Kind erkennst“.
Wenn Du unsicher bist, ob ein noch aktiver Moro-Reflex oder Furcht-Lähmungs-Reflex eine Rolle spielt, kläre ich das gern gemeinsam mit Dir. Im Rahmen meines Reflexintegrationstrainings prüfen wir, ob und welche frühkindlichen Reflexe noch aktiv sind und ob ein gezieltes Training sinnvoll sein kann.
Melde Dich dazu unverbindlich für ein kostenloses telefonisches Erstgespräch (ca. 30 Minuten). Gemeinsam schauen wir auf die Situation Deines Kindes und besprechen mögliche nächste Schritte.