Neuroplastizität –

Wie Dein Kind durch Bewegung und Beziehung sein Gehirn formt

Lesezeit: 6 Minuten

Liebe Mama und lieber Papa,

hast Du Dich schon einmal gefragt, wie aus einem winzigen Säugling ein neugieriges, kommunikationsfreudiges Kind wird? 

Wie aus ersten Strampelbewegungen irgendwann gezieltes Klettern, Balancieren oder Malen wird? 

Oder warum manche Kinder in bestimmten Bereichen mehr Zeit brauchen als andere? 

Die Antwort liegt im Gehirn und genauer gesagt in der Neuroplastizität. Dieser Begriff beschreibt die erstaunliche Fähigkeit des menschlichen Gehirns, sich durch Erfahrung zu verändern und weiterzuentwickeln. Und genau das passiert in den ersten Lebensjahren Deines Kindes im Rekordtempo. 



Was ist Neuroplastizität überhaupt?

Neuroplastizität bedeutet, dass sich das Gehirn ständig verändert,  je nachdem, was wir erleben, fühlen, denken oder bewegen. Denn durch jede neue Erfahrung entstehen Verbindungen zwischen Nervenzellen, die sogenannte Synapsen. Je häufiger diese genutzt werden, desto stabiler werden sie. Umgekehrt gilt: Was nicht gebraucht wird, wird wieder abgebaut. 

 

Du kannst Dir das vorstellen wie ein Trampelpfad im hohen Gras: Wenn Du ihn immer wieder gehst, entsteht ein gut begehbarer Weg, oder vielleicht sogar eine kleine Straße. Genau so bildet das Gehirn durch Wiederholung neuronale Autobahnen. 


   

Warum die ersten Lebensjahre so wichtig sind

Schon bei der Geburt hat Dein Kind etwa 100 Milliarden Nervenzellen – genauso viele wie ein Erwachsener. 

Was aber noch fehlt, sind die Verbindungen zwischen diesen Zellen. Und genau hier passiert in den ersten Lebensjahren Erstaunliches: 

 

  •  Im Alter zwischen 12 und 24 Monaten bildet das Gehirn Deines Kindes mehr Synapsen als je zuvor im Leben – sogar mehr als ein Erwachsener besitzt! Diese Phase wird deshalb oft als „Zeit der maximalen Plastizität“ bezeichnet. 

 

  • Danach beginnt das sogenannte Synaptic Pruning – das bedeutet: Verbindungen, die nicht regelmäßig genutzt werden, werden wieder „aussortiert“. Was bleibt, sind die gut trainierten, häufig genutzten Bahnen. 

 

Das erklärt auch, warum es so entscheidend ist, welche Reize und Erfahrungen ein Kind in dieser Zeit macht. Bewegung, Nähe, Beziehung, Sprache und sensorische Reize wirken wie Dünger auf das sich entwickelnde Nervensystem. 


 

Was hat das mit frühkindlichen Reflexen zu tun?

Frühkindliche Reflexe sind automatische Bewegungsmuster, mit denen jedes Baby auf die Welt kommt. Sie helfen beim Überleben, bei der ersten Orientierung und bei der Vernetzung der Sinne mit dem Körper. 

Aber: Diese Reflexe sollten nach und nach integriert werden, damit das Kind in seiner Entwicklung freie Bahn hat. 

 

Wenn ein frühkindlicher Reflex aktiv bleibt – zum Beispiel der Moro-Reflex oder der Furcht-Lehmungs-Reflex – kann das zu Auffälligkeiten führen wie: 

 

– Übermäßiger Schreckhaftigkeit 

– Schwierigkeiten bei der Selbstregulation 

– Konzentrationsproblemen 

– Körperlicher Unruhe oder Koordinationsproblemen 

 

Hier kommt wieder die Neuroplastizität ins Spiel: Durch gezielte, wiederholte Bewegungsreize, wie sie z. B. in der Reflexintegration nach dem RIT-Ansatz eingesetzt werden, kann das Gehirn neue Verbindungen aufbauen und alte Reflexmuster auflösen. 



Veränderung ist auch später noch möglich

Vielleicht fragst Du Dich: „Aber mein Kind ist doch schon älter. Ist es da nicht zu spät?“ 

Die klare Antwort: Nein. 

Auch wenn die größte Plastizität in den ersten Lebensjahren besteht, bleibt das Gehirn lebenslang lernfähig. Es braucht nur andere Impulse und mehr Wiederholung. 

 

Gerade Kinder, die in der frühen Entwicklung besondere Herausforderungen hatten, profitieren enorm von nachträglicher neuronaler Reifung. Dabei geht es nicht darum, etwas „nachzuholen“ – sondern die individuelle Entwicklung dort zu begleiten, wo das Kind gerade steht. 



Und was kannst Du als Elternteil tun?

Mehr als Du denkst. Denn Du bist nicht nur Versorger:in, sondern auch Entwicklungsbegleiter:in. Jede Bewegung, jedes liebevolle Wort, jedes gemeinsame Spiel hilft dem Gehirn Deines Kindes, neue Wege zu gehen. 

Und wenn Du den Eindruck hast, dass Dein Kind in bestimmten Bereichen Unterstützung braucht, darfst Du das ernst nehmen und Dir Hilfe holen. 



Du möchtest wissen, ob bei Deinem Kind noch frühkindliche Reflexe aktiv sind?

Mehr als Du vielleicht denkst. Jede Bewegung, jede Wiederholung, jede alltagsnahe Erfahrung unterstützt die neuronale Reifung Deines Kindes. Gleichzeitig darfst Du aufmerksam bleiben, wenn Du spürst, dass Dein Kind in bestimmten Entwicklungsbereichen Unterstützung braucht.


Wenn der Verdacht besteht, dass frühkindliche Reflexe noch aktiv sind, kann ein gezielter Blick darauf sinnvoll sein. Im Rahmen meines Reflexintegrationstrainings begleite ich Kinder dabei, neuronale Grundlagen für Selbstregulation, Konzentration, Bewegung und Lernen weiter auszureifen – individuell, körperorientiert und alltagsnah.


Wenn Du unsicher bist, ob bei Deinem Kind noch frühkindliche Reflexe eine Rolle spielen, kläre ich das gern gemeinsam mit Dir.

Melde Dich dazu unverbindlich für ein kostenloses telefonisches Erstgespräch (ca. 30 Minuten) oder lies weiter im nächsten Beitrag:

„Wie Du nicht integrierte frühkindliche Reflexe bei Deinem Kind erkennst“.