ADHS

oder doch „nur“ nicht integrierte Reflexe? 

Lesezeit: 6 Minuten

Liebe Mama und lieber Papa, 

was Du über primitive Reflexe bei ADHS wissen solltest, wenn Dein Kind eine ADHS-Diagnose erhalten hat, oder Du einfach das Gefühl hast, dass „irgendetwas nicht stimmt“, dann liest Du gerade genau den richtigen Artikel. 

Vielleicht kennst Du das: Dein Kind kann kaum stillsitzen, träumt oft vor sich hin, scheint ständig unter Strom zu stehen oder ist schnell reizüberflutet. Doch was, wenn all das nicht nur ein Verhalten ist, sondern ein Körper, der Dir etwas sagen will? 


 

ADHS – kein Aufmerksamkeitsdefizit, sondern ein Aufmerksamkeitsüberschuss

Viele Eltern verstehen ADHS als Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, weil das Kind sich scheinbar nicht konzentrieren kann. Doch in Wahrheit geht es oft nicht um ein Zuwenig an Aufmerksamkeit, sondern um ein Zuviel: 

Das Gehirn Deines Kindes nimmt zu viele Reize gleichzeitig wahr, filtert sie nicht effektiv und ist dadurch dauerhaft überlastet. Die Aufmerksamkeitssteuerung funktioniert nicht wie bei anderen Kindern – nicht, weil sie fehlt, sondern weil sie ungeordnet überschießt. 

 

Und genau hier kommen die primitiven Reflexe ins Spiel: Sie beeinflussen das Nervensystem von Grund auf und können die Fähigkeit stören, Reize richtig einzuordnen und den Körper zur Ruhe kommen zu lassen. 

 


Was primitive Reflexe mit ADHS zu tun haben

Primitive Reflexe, wie der Moro-Reflex oder der tonische Labyrinthreflex, sind Bewegungsmuster, mit denen Babys ausgestattet sind, um sich in den ersten Lebensmonaten zu schützen und zu entwickeln. Diese Urreflexe sollten im Laufe des ersten Lebensjahres gehemmt, also „integriert“ werden. Passiert das nicht vollständig, können sie weiterhin im Körper aktiv bleiben und wirken wie ein unsichtbares Steuerprogramm im Hintergrund. 

 

Und genau hier beginnt das spannende Zusammenspiel mit der ADHS-Symptomatik. 

 

 

Was die Forschung sagt: ADHS und aktive Reflexe

Eine Studie aus dem Jahr 2004 untersuchte 109 Jungen zwischen 7 und 10 Jahren – mit und ohne ADHS-Diagnose. Dabei zeigte sich: 

  •  Kinder mit ADHS zeigten deutlich häufiger Frühkindliche Reflexe, die eigentlich längst integriert sein sollten. 
  • Besonders auffällig waren der Moro-Reflex, der asymmetrisch-tonische Nackenreflex (ATNR), der symmetrisch-tonische Nackenreflex (STNR) und der tonische Labyrinthreflex (TLR). 
  • Diese Reflexe hatten direkten Einfluss auf das Verhalten und die schulischen Leistungen – insbesondere auf die Konzentrationsfähigkeit und die mathematischen Fähigkeiten. 

 
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2020 differenzierte sogar nach Geschlecht: 

  • Bei Mädchen mit ADHS war besonders der ATNR auffällig.
  • Bei Jungen mit ADHS war es der STNR, der stark mit der Symptomatik korrelierte.

 
Die Forschenden schlussfolgerten: ADHS bei Mädchen und Jungen kann mit unterschiedlichen nicht-gehemmten Frühkindlichen Reflexen zusammenhängen – also mit einer neurologischen Entwicklungsverzögerung, die in der frühen Kindheit oft unentdeckt bleibt. 


Was bedeutet das für Dein Kind?

Stell Dir vor, in Deinem Kind wirkt noch immer ein Reflex, der bei jeder schnellen Bewegung oder plötzlichen Reizüberflutung eine Stressreaktion auslöst. Ein Reflex, der zum „Alarmsystem“ im Körper gehört und nicht einfach willentlich abgeschaltet werden kann. 

 

Das Ergebnis: 

  • Unruhe, weil der Körper ständig in Bewegung bleiben muss, um das innere Spannungsgefühl zu regulieren.
  • Konzentrationsprobleme, weil das Gehirn durch den Körper „abgelenkt“ wird.
  • Reizüberflutung, weil das Nervensystem noch nicht gelernt hat, Unwichtiges herauszufiltern.
  • Ein Aufmerksamkeitsüberschuss, der sich als Chaos im Kopf zeigt – nicht als mangelndes Interesse.

 

Und all das hat nichts mit Benehmen zu tun – sondern mit einem nicht vollständig ausgereiften Nervensystem. 


 

Nicht zu wenig – sondern zu viel Aufmerksamkeit

Viele Kinder mit ADHS sind extrem wach, sensibel und reaktionsbereit. Sie nehmen alles wahr, aber sie können es nicht richtig gewichten oder einordnen. 

Die Folge: 

  • Ein Geräusch, ein Geruch, eine Bewegung – alles ist gleich wichtig.
  • Das Gehirn ist überlastet, und das Verhalten wirkt „überdreht“ oder „unaufmerksam“.
  • In Wahrheit aber ist Dein Kind in einem ständigen inneren Alarmzustand – der körperlich spürbar ist.

 

 

Welche Frühkindlichen Reflexe bei ADHS besonders häufig aktiv sind

Kinder mit ADHS zeigen häufig noch nicht integrierte frühkindliche Reflexe, die eigentlich im ersten Lebensjahr gehemmt sein sollten. Diese wirken wie ein inneres Steuerprogramm, das Reizverarbeitung, Muskeltonus, Aufmerksamkeit und Verhalten beeinflusst. 

 

Zu den häufig betroffenen Reflexen gehören: 

 

Diese Urreflexe beeinflussen unter anderem das Gleichgewicht, die Haltung, die Selbstregulation und die Reizfilterung – zentrale Bereiche, die bei ADHS-Symptomen oft herausfordernd sind. 

 

Was genau jeder dieser Reflexe bewirkt und wie sich seine Restaktivität im Alltag zeigt, kannst Du in meinen einzelnen Blogartikeln nachlesen. Dort findest Du zu jedem Reflex verständliche Erklärungen, Beispiele und praktische Hinweise für Eltern: https://www.coaching-potential.de/blog/



Warum Haltung, Muskeltonus und Konzentration zusammenhängen

Viele Eltern fragen sich, warum ihr Kind einfach nicht stillsitzen kann – obwohl es sich „eigentlich bemüht“. Die Antwort liegt oft auch im Muskeltonus:

Bestimmte Reflexe, z. B. der Landaureflex, sorgen für die Aktivierung der Streckmuskulatur. Ist diese nicht aktiv genug, „fällt“ das Kind regelrecht in sich zusammen – eine gerade Haltung wird zur Anstrengung.


Das hat gravierende Folgen:

  • Die Atmung wird flach, die Sauerstoffzufuhr sinkt.
  • Das Gehirn wird schlechter aktiviert – vor allem der präfrontale Kortex, zuständig für Aufmerksamkeit und Planung.
  • Die Folge: Konzentration fällt schwer, Motivation sinkt, Frustration steigt.



Und jetzt? Mein Angebot für Dich

Wenn Du Dich jetzt fragst, ob bei Deinem Kind möglicherweise noch frühkindliche Reflexe aktiv sind, bist Du nicht allein. Viele Eltern wissen gar nicht, dass man diese Reflexe gezielt testen und durch ein strukturiertes Training unterstützen kann.


Es geht dabei nicht darum, eine ADHS-Diagnose infrage zu stellen, sondern den Blick zu erweitern. Denn manchmal liegen unter der sichtbaren Symptomatik zusätzliche neurologische Entwicklungsbausteine, die bislang unberücksichtigt geblieben sind.


Im Rahmen meines Reflexintegrationstrainings nach dem RIT®-Konzept begleite ich Kinder dabei, ihr Nervensystem zu stabilisieren und Grundlagen für mehr Selbstregulation, Konzentration und innere Ruhe zu entwickeln. Das Training ist individuell abgestimmt, körperorientiert und alltagsnah.


In einem kostenlosen telefonischen Erstgespräch (ca. 30 Minuten) klären wir gemeinsam, ob ein Reflexintegrationstraining für Dein Kind sinnvoll sein kann und wie ein möglicher nächster Schritt aussieht.



FAQ – Reflexintegration bei ADHS kurz erklärt

Ist Reflexintegration eine Alternative zu ADHS-Therapie? 

Nicht direkt. Aber sie kann eine hilfreiche Ergänzung sein – besonders bei motorischer Unruhe und Konzentrationsproblemen. 

 

Gibt es Nebenwirkungen? 

Nein. Das Training ist sanft, spielerisch und körperorientiert. 

 

Wie läuft das Reflexintegrationstraining ab? 

Nach dem telefonischen Erstgespräch folgt ein Ersttermin bei mir in der Praxis zum Kennenlernen  mit Anamnese, einer ersten Einschätzung sowie ersten Übungen. Danach beginnt das individuelle Trainingsprogramm – inklusive  Testung  Frühkindlicher Reflexe sowie alltagstauglicher Übungen für Zuhause. 


Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, melde Dich gerne bei mir.